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Rückblick auf das Erzählcafé „Gutes Klima im Dorf“

vom 02.02.2020

Unter dem Titel „Gutes Klima im Dorf“ veranstaltete der Heimatverein Diemarden am 02. Februar wieder eines der beliebten Erzählcafés. Kurz vor 15 Uhr war der Gemeinderaum bereits mit interessierten Gäste so gut gefüllt, dass schnell noch weitere Stühle aus der benachbarten Kirche geholt werden mussten.

Den Auftakt des informativen wie geselligen Nachmittags bildeten zwei Vorträge, die auf eindrückliche Weise zeigten, dass der Klimawandel auf dem Planeten Erde längst kein optionales Zukunftsszenario mehr ist, sondern bereits bittere, menschengemachte Realität, die sich auch in unserer unmittelbaren Umgebung zeigt. Dr. Dirk Gries, seit 2007 Leiter der Fachbereiche Ökologie und Informatik am XLAB, präsentiert erschreckende Zahlen und Prognosen, die die Dringlichkeit einer Hinwendung zu nachhaltiger Umwelt- und Klimapolitik mit mehr Klimagerechtigkeit in der Welt nahelegen. Diese Beschreibung wurde von Axel Pampe, Leiter des Forstamts Reinhausen, durch einen Einblick in den aktuellen Zustand des hiesigen Waldes ergänzt. Experten machen sich heute viele Gedanken um den Ersatz der durch Sturm, anhaltende Dürreperioden und Borkenkäferbefall weitgehend vernichteten Fichtenbestände, aber auch der für unsere Region typischen Buchen durch Baumarten, die dauerhaft mit geringeren Niederschlägen und extremeren Wetterlagen besser zurechtkommen – allerdings ohne wirklich zu wissen, wohin die Reise geht.

(Beide Vorträge werden in Ergänzung zum Bericht als Download angeboten)

„Konsumverhalten“ war das Stichwort für die anschließenden Erzählungen von Heinrich Mussmann, Hertha Becker und Heinrich Deppe über die entbehrungsreichen Jahre nach dem Krieg, die Zeit von „Zwangsbewirtschaftung“, Bezugsscheinen und Lebensmittelkarten, Schwarzhandel und Tauschbörsen, in der deutlich wurde, wie sich die Wertigkeit von Dingen relativiert, wenn es um das reine Überleben geht. Es war selbstverständlich, nur die Räume zu heizen, in denen man sich aufhielt, zum Waschen Regenwasser zu verwenden oder Sirup zu schmelzen, um den Kindern mit einer Art Bonbon Freude zu bereiten. Und damit der Brotteig nicht auf dem Untergrund festklebte, musste schon mal feines Säge- statt Getreidemehl herhalten.

Die „Sparsamkeit“ nach dem Krieg war sicher kein freiwilliger Verzicht. Doch sind wir heute überhaupt noch weit von einer Situation entfernt, die uns zu Verzicht auf Konsum und Bequemlichkeit zwingen wird?

Für die Jugendbewegung „Fridays for Future“ steht der Zeiger der Klimauhr längst auf fünf vor zwölf. Die junge Diemardenerin Miriam Giesbert ist eine der AktivistInnen dieser Bewegung. Sie erzählte den rund 60 Gästen des Erzählcafés, dass es ihrer Gruppe nicht um Schuldzuweisung, sondern um Aufklärung gehe. Die jungen Menschen fordern uns alle auf, etwas zu tun und vor allem Druck auf die Politik auszuüben. Die müsse etwa den ÖPNV ausbauen, damit Menschen überhaupt eine Alternative zum eigenen Auto hätten. Außerdem müsse es einen Kohleausstieg bis 2030 und Umstieg auf 100 % erneuerbare Energien geben.

Nach diesen eindrucksvollen Worten meldeten sich viele in der Runde zu Wort, um ihre Gedanken zum Klimawandel zu teilen. Sollte man sich auf die Politik verlassen oder muss man nicht auch selbst aktiv werden? Und wenn es kleine Schritte sind, wie bewusster Müll zu trennen oder im Haushalt sparsamer/bewusster zu sein, indem man z.B. weniger bzw. gezielter heizt. 

Außerdem gab es ein paar spannende Anregungen, die auch in Diemarden Schule machen könnten, wie etwa ein monatliches Reparaturcafé, die Nutzung der Dorf-Internetseite (Menüpunkt „Thie“), um Dinge, die man selbst nicht benötigt anderen anzubieten (Beispiel „Quitten“), Mitfahrangebote bis hin zu einem gemeinschaftlich bewirtschafteten Acker, damit Gemüse nicht mehr viele hundert Kilometer zu uns transportiert werden muss, sondern regional und mit Freude gemeinsam produziert werden kann. Auch könne man gezielt für weltweite Aufforstungsprojekte spenden (s. Linksliste im Anhang).

Die Basis allen Handelns ist, sich Wissen anzueignen und Zusammenhänge zu erkennen: etwa über den enormen Energiehunger der großen Rechenzentren oder dass die Nutzung der digitalen Währung Bitcoin im Jahr so viel Energie verbraucht wie das ganze Land Dänemark. 

Zudem brauche es einen konstanten Austausch und die Vernetzung von Ideen. Auch müsse es nicht unbedingt um Verzicht und Moral gehen; Freude am eigenen Tun kann ein großer Motivator sein.

Und das Erzählcafé sei eine Gelegenheit, mit Spaß voneinander zu lernen – ein wunderbares Schlusswort für einen anregenden, aber auch sehr nachdenklich stimmenden Nachmittag!

von Anja Achilles

 

Interessante Links zum Thema Klimawandel:

Allgemeine Überlegung zur Orientierung und zum Umgang mit Wissenschaft als Laie:

https://www.klimafakten.de/meldung/essay-sieben-beweise-und-3750-experten

Klimawissenschaftler informieren direkt: 

https://www.scientists4future.org/

https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/

Leugner-Argumente und ihre Entkräftung – Die beste Link-Sammlung dazu: 

https://www.scientists4future.org/infomaterial/mit-klimawandel-leugnern-umgehen/

AFD-Klimaquiz:

https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/das-klimaquiz-der-afd-die-aufloesung/

Einige weitere Angebote

https://www.klimafakten.de/fakten-statt-behauptungen/fakt-ist 

https://skepticalscience.com/

https://skepticalscience.com/translation.php?lang=6

Interview mit dem mit dem österreichischen Förster, Zimmermann und Unternehmer Erwin Thoma zum Klimawandel, den Ursachen usw.:

https://www.youtube.com/watch?v=A0MQ0_d-vSg 

Baumpflanzprojekte:

https://www.primaklima.org/ueber-uns/

https://edenprojects.org/

https://www.treedom.net/de/page/about_us

https://thegenerationforest.com/de/

https://www.ecosia.org/ (Internet-Suchmaschine unterstützt Baumpflanzungen)

 

 

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